Feed on
Posts
Comments

Die weiße Stadt

Das die ”Weiße Stadt” von Tel Aviv die weltgrößte Ansammlung von Gebäuden im Bauhaus-Stil  hat, errichtet von jungen europäischen Architekten, ist weithin bekannt. Wobei der Stil korrekt als Internationaler Stil bezeichnet werden muss.

Bauhaus

Die Architekten kamen vor allem im Zuge der fünften Aliya, nach der Machtergreifung der Nazis in Deutschland 1933 .

 Tel Aviv wuchs in den Jahren 1934 bis 1947 von ca. 75.000  auf 230.000 Einwohner. Der ”Internationaler Stil” trug den damit verbundenen Bedürfnissen nach Wohnraum Rechnung. Gebaut wurde in Anlehnung an die Prinzipien der  Bauhauschule. Nicht nur, weil die Funktionalität des Bauhaus der Erfordernis entsprach, viele bezahlbare Wohnungen für die zuströmenden Flüchtlinge zu bauen, sondern auch, weil der neue Architekturstil den Idealen der  jüdischen Bevölkerung in “Eretz Israel” entsprach.  Besser konnte die Sehnsucht nach einem Neuanfang architektonisch nicht ausgedrückt werden.

Das Ideal eines urbanen hebräischen Zentrums nach Gsichtspunkten moderner Hygiene und Ästhetik herrschte indes schon seit den 1880ern in den ersten jüdischen Ansiedlungen  außerhalb Yafos, aus denen Tel Aviv 1909 hervorgegangen ist.

Tel Aviv sollte in Anlehnung an die Gartenstadtbewegung als moderne Stadt mit  Boulevards, großen und klenen Plätzen geplant werden, die den Menschen als Treffpunke dienen.

Bauhaus

 In der Stadtplanung, soweit sie umgesetzt wurde und den Gebäuden des Inernationalen Stils  spiegelt sich die zionistische und sozialistische Stimmung der Gründerzeit. Man spürt in der weißen Stadt die Idee einer neuen, egalitären Gesellschaft auf. Funktionaler Wohnraum für Jeden statt Repräsentation. Nirgends wurde modernes Wohnens so radikal umgesetzt wie in Tel Aviv. Die klare und regelmäßige Formensprach hat genau in den Geist der Zeit gepasst.

bauhaus

Kennzeichnend für den internationalen Stil sind insgesamt die Archtiektur als Volumen, Regelmäßigkeit statt Symmetrie, Vermeidung von schmückender Dekoration, Eleganz der Materialien, technische Perfektion und feine Proportionen. Letztere Prinzipien wurden in Tel Aviv nur ansatzweise erreicht.

bauhaus

 

Bauhaus

 Bauhaus

 

Bauhaus

 

Bauhaus

 

Bauhaus

 

Bauhaus

Die “Bauhausschule”, die architektonisch den sozialen und zionistischen Idealen entsprach, wurde entsprechend der spezifischen Wetterverhältnisse mehrfach modifiziert und an die Hitze und Feuchtigkeit angepasst. Viel Aufmerksamkeit wurde auf Licht und Schatten verwendet.

 

Bauhaus

 Bauhaus

Die Prinzipien unterlagen vielfachen Einflüssen und Modifikationen. Le Corbusier hat die Erscheinung des “Internationalen Stils” stark geprägt. Auf ihn geht das Aufstelzen der Gebäude, die Nutzung der Dächer und der weiße Stuck zurück.

 Von Mendelsohn kamen unverwechselbare Modifikationen. Er hat sich mit dem kalten Eindruck des industrialisierte und normierte Bauens nicht abgefunden. Man erkennt in Tel Aviv deutlich, wie den Gebäuden Charakter gegeben wurde, um den menschlichen Aspekt gegnüber dem Eindruck rein industrieller Abfertigung zu betonen.

Stiltypisch für den Internationalen Stil in Tel Aviv sind die vielen eleganten Rundungen, die den Beitrag des Menschen in der Planung und Errichtung der Gebäude betonen.

Bauhaus

 

Bauhaus

Humanitäter

Israel

Für Erdogan und die Hamas hätte es nicht besser kommen können. Unter ihren islamistischen Spielführern haben sich die Türken auf die vordersten Plätze des weltweit beliebten Antizionismus propagandiert. Viele Türken scheint das Entschädigung genug für die verpasste Teilnahme an der WM-Endrunde. Dankbar halten sie  ihre Fahnen in den Wind.  
Den Offensiv-Spezialisten der Hamas, die seit der Militäroperation cast lead in die Defensive gedrängt schienen, haben die Humanitäter der Marmara eine unverhoffte Konterchance geboten. Evtl. werden sie sich sogar aus der Belagerung ihres Strafraums befreien.
Die Runde geht ganz klar an den islamistischen Block. Vom iranischen Regime, über den syrischen Präsidenten bis zu den Stürmern der Hizbollah bezeugen eingespielte Israelfeinde den Türken standing ovations und feuern die Hamas an.
Von der Muslimbrüderschaft in Ägypten bis zu Hugo Chavez wird die neue Aufstellung gegen Israel gelobt.

 Hier in Israel herrscht dagegen eine Stimmung der Unsicherheit, die mit einer Welle des Patriotismus leidlich kaschiert wird. Seit bordende israelische Soldaten auf der Mavi Marmara von einem Lynchmob in Empfang genommen wurden und neun “Menschenrechtsaktivisten” bei der Übernahme des Schiffes ihr Leben auf Deck gelassen haben, plagen sich die Israelis mit Bauchweh.
Die Aktion selbst, die Folgen und die möglichen Auswirkungen haben unverkennbar auf den Magen geschlagen.

Die verfügbaren Bilder des fatalen Einsatzes werden wieder und wieder gesichtet. Dass die israelischen Soldaten derart ans Messer geliefert wurden, geht nicht spurlos an den Menschen hier in Israel vorbei.
So wünschen sich auch 2/3 der Israelis eine Untersuchungskomission (Maariv vom 2.6.). Bisher wird nur spekuliert, wo die Fehler gemacht wurden. Der Verteidigungsminister und die Geheimdienste stehen besonders unter Druck.
Den an der Aktion beteiligten Soldaten kommt derweil Zuspruch von allen Seiten zu. Fast jede israelische Familie schickt ihre Söhne und Töchter zur Armee.

Dem Schock über die Geschehnisse folgt die Fassungslosigkeit über die weltweiten Reaktionen. Besonders bitter stößt  den Israelis die Rezeption und Auslegung der Geschehnisse in Europa auf.

Dass in der arabischen Welt israelische Fahnen brennen und “Tod Israel” skandiert wird, geschieht in regelmäßigen Intervallen. Auch die Radikalisierung der Türkei unter der Führung der AKP ist ein Prozess, der sich schon so lange hinzieht, dass es kaum für Verwunderung sorgt, dass jetzt Zehntausende in Istanbul ihren antiisraelischen Zorn auf die Straße tragen. Türkisches Fernsehen zeigt schon seit längerer Zeit offen antisemitische Serien und Filme. Jeder hier weiß, dass Erdogan sich schon lange mit Israelfeindlichkeit profiliert und die Nähe zu Iran und Syrien sucht. Dass bisher 300.000 Israelis pro Jahr in der Türkei Urlaub gemacht haben, soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass man hier die Eskalation von Seiten der Türken erwartet hat.

Es ist die Israelfeindlichkeit, in der Europa versinkt, die hier auf das Gemüt drückt. Nicht, dass die Israelis nicht schon seit Jahren den Eindruck haben, dass die Welt gegen sie ist. Der antiisraelischen Stimmung in Europa aber hat man gehofft/geglaubt könnte man mit Erklärungen begegnen.

Dabei hat sich während der Militäroperation in Gaza schon klar gezeigt, dass man sich in Europa hinsichtlich des Nahostkonfliktes nicht für Erklärungen, Zusammenhänge und ideologiekritische Betrachtungen interessiert, sondern seine Ressentiments pflegt, wo es nur geht. Die Israelis haben den europäischen Antizionismus völlig unterschätzt. Die antiisraelische Berichterstattung und die israelfeindlichen Demonstrationen wurden stets als Folge islamistischer Propaganda begriffen. Was sie sicher auch waren. Aber das ist maximal die halbe Wahrheit.

Der in Europa weit verbreitete Antisemitismus im Gewand der Israelkritik wird  hier in Israel konstant verdrängt.

Es wird nicht erwogen, dass die Europäer sich vielleicht nicht nur vor den Karren der Islamisten spannen lassen, sondern deren antisemitische Verständnismuster teilen.

 Was der jüdische Staat “im eigenen Interesse” zu tun hat, wird obsessiv von jenen Israelfeinden diskutiert, die sich in Europa “kritische Freunde” nennen und mit ihren Forderungen stets die israelische Souveränität und Demokratie herabwürdigen.

 Von der Militäraktion gegen Raketenbeschuss über die Ausgrenzung von Terroristen bis zum Wohnungsbau in der eigenen Hauptstadt, fordert jede Bewegung der Israelis einen internationalen Aufschrei hervor, in den die Europäer einstimmen.

 Dass es bei der Anteilnahme nie wirklich um das Verständnis des Nahostkonfliktes geht, wird daraus ersichtlich, dass trotz seiner viel beschworenen Bedeutung  für das Weltgeschehen  keine Anstrengungen unternommen werden, seine Hintergründe zu beleuchten. 

Die Auseinandersetzung mit der Hamas wurde erst interessant, als Israel angegriffen hat. Raketenterror war den Europäern immer nur eine Fusnote.  Dieses dekontextualisierte Interesse lässt das israelische Handeln stets als Aggression erscheinen und koppelt so bestätigend auf die antiisraelischen Ansichten zurück. Bei der Berichterstattung zu Gaza wurde die Vorgeschichte von der einseitigen Räumung bis zur Umwandlung des Küstenstreifens in Hamastan und der Beschuss israelischer Städte ausgeklammert.

Das Interesse an den Geschehnissen ist schlicht der Unterfütterung einer bereits festen Meinung geschuldet.

Neun tote Aktivisten an Bord der Mavi Marmara werden als neuester  Beleg für die Tötungsabsicht der Israels zitiert.

Wie der Schuldanteil von Palästinensern und Israelis an cast lead ständig umgekehrt proportional zu den Opferzahlen berechnet wird.  Propagandalogik. Hinsichtlich des Militäreinsatzes in Gaza bleibt hinter dieser Rechnung stets zurück, dass sich Israel vor seine angegriffene Bevölkerung gestellt hat, während Hamas sich hinter den Menschen in Gaza weggeduckt hat. Es gibt eine viel einfachere Gleichung als das Hantieren mit den Opferzahlen. Ohne Raketenterror der Hamas hätte es gar keine Militäroperation gegeben. Auch würde es heute keine Blockade des Küstenstreifens geben.

 Dass die Ereignisse hier im Nahen Osten meist vor dem Hintergrund einer bestimmten Anschauung interpretiert werden, lässt sich ideologiekritisch im Sprachgebrauch nachweisen. Hinsichtlich Israel haben sich eine Reihe von Begriffen durchgesetzt, die unreflektiert angewendet werden und stets schon  ein Urteil über den Sachverhalt beinhalten, den sie darstellen. In Begriffen drückt sich aus, wie etwas begriffen wird.

Ganz klassisch: Was bleibt zu diskutieren, wenn Israelis in Jerusalem illegal auf besetztem palästinensischen Gebiet bauen?

Ganz neu: Was bleibt zu diskutieren, wenn israelische Soldaten einen Hilfskonvoi mit Menschenrechtsaktivisten angreifen?

 Anhand der Berichterstattung über die Konfrontation zwischen der Solidaritätsflotte und der israelischen Marine zeigt sich, dass die Europäer nicht leichtgläubig islamistischer Propaganda auf den Leim gehen, sondern ihre eigenen Ressentiments pflegen. 

Schon im Vorfeld wurde das Angebot Israels, die Ladung in Ashdod abzuladen und über den regulären Versorgungsweg nach Gaza zu bringen, genauso abgelehnt, wie das Angebot der Familie Shalit, sich bei der israelischen Regierung für die Solidaritätsflotte einzusetzen, wenn dafür ein Päckchen an Gilad Shalit übergeben wird.

Wo blieb die Deutung der Widersprüche, die in der Ablehnung dieser Angebote durch die vermeintlichen Menschenrechtsaktivisten offensichtlich wurden? Wo blieb die Deutung des Widerspruches, der das krude Bündnis von Menschenrechtsaktivisten und Hamas umgibt?

Zahlreiche Videos, die inzwischen veröffentlicht sind, geben offensichtliche Hinweise darauf , dass die Israelis die Lage an Bord der Mavi Marmara völlig falsch eingeschätzt haben und sich in Erwartung max. zivilen Ungehorsams Einzeln mit Paintball Gewehren auf Deck abgeseilt haben. Deutlich wird in den Videos, dass die Aktivisten in totschlägerischer Absicht über sie hergefallen sind. Trotzdem wird das tragische Ergebnis von neun Toten nie ernsthaft der von den Aktivisten entfesselten Gewalt zugeschrieben. Mit der Konnotation, dass man es für durchaus möglich hält, dass die Israelis auf todbringende Aktivistenjagd gegangen sind und nicht wirklich eine unblutige Übernahme im Sinn hatten. Und das sagt viel darüber aus, wie Israel eingeschätzt wird.

Würde jemand das Bombardement von Kunduz so interpretieren, dass die Deutschen zur Belustigung der Truppe unzählige Zivilisten in Afghanistan umbringen liessen?

Es gibt Videos, die belegen, wie die Aktivisten die Gewalt vorbereiten. Es gibt die Aktivisten, die im Vorfeld bekundet haben, als Märtyer sterben zu wollen. Es gibt noch viel mehr. Einfach auf youtube Marmara eingeben. Dass die Bilder von der IDF freigegeben wurden, ändert nichts daran, dass sie in Ausschnitten zeigen, was passiert ist. Wie kann es trotzdem sein, fragen sich die Israelis, dass die ganze Welt gegen Israel ist?

 Vielleicht sollte man einmal die Artikel von Herrn Thumann ins Hebräische übersetzen, um dies beispielhaft aufzuzeigen. Die Frage, ob es sich bei den Organisatoren IHH um Radikalislamisten oder harmlose Helfer handelt beantwortet Michael Thumann mit harmlose Helfer. Als Grundlage dieser Einschätzung dient ihm ein Besuch im Vereinsheim. Dieses haben am selben Tag auch Journalisten der Maariv besucht und im Eingangsbereich der IHH eine übergroße Palästinakarte fotografiert. Eine Karte, auf der Palästina vom Jordan bis zum Mittelmeer reicht. Die muss Herr Thumann übersehen haben. Genauso, wie ihm einige Hintergründe über die IHH entgangen sein müssen. Yoram Ettinger sind sie nicht entgangen.

 Die Referenzbegriffe zu der Tragödie in der Zeit sind derweil bereits ausgebildet. Am 3.6. bereits beginnt der Artikel Gaza-Helfer wollen Israel trotzen mit “Die von Elitesoldaten angegriffenen Aktivisten…”

Nachdem die Geschehnisse ins Weltbild eingepasst wurden, wartet die Welt jetzt darauf, dass Israel von einer unabhängigen Kommission scharf verurteilt wird.

Wenn es Israel irgendwann plötzlich nicht mehr geben sollte, man müsste es der Welt zu Liebe umgehend wieder gründen.

Deutsches Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau

Jeder kennt unsere geschichtliche Last, die unvergängliche Schande, kein Tag, an dem sie uns nicht vorgehalten wird.
Martin Walser
Daher könnte man Juden mit einiger Berechtigung als „Tätervolk“ bezeichnen.
Martin Hohmann
“Morgens in Jad Vaschem die Fotos vom unmenschlichen Warschauer Ghetto, abends fahren wir ins Ghetto in Ramallah. Da geht einem der Deckel hoch”
Bischoff Hanke
“Ich fürchte, dass kaum jemand den Antisemiten, die es in Deutschland gibt, leider, die wir bekämpfen müssen, mehr Zulauf verschafft hat als Herr Scharon und in Deutschland ein Herr Friedman mit seiner intoleranten und gehässigen Art”
Moellemann
“Ich kann in den Aktionen der israelischen Armee keinen Abwehrkampf gegen den Terrorismus sehen – sondern nur Vernichtung”
Norbert Bluem

 

 

Wer sich den Anforderungen der Moderne nicht gewachsen sieht, sexuell zu kurz kommt und ökonomisch zurückbleibt, kann gegen die Moderne, die alles verkompliziert, nur dann zurückschlagen, wenn seinem Frust ein konkretes Ziel gegeben wird. In Form eines gemeinschaftlich getragenen Feindbildes.

Systembedingte und überindividuelle Dynamiken, die das eigene Fortkommen behindern, bleiben unbeachtet, zu Gunsten einer wahnwitzigen Weltanschauung, bei dem alles um konkrete Heils- und Unheilsbringer gruppiert ist.

In der verkehrten Auffassung falscher Verhältnisse steckt der Keim des Antisemitismus. 

Wem die Moderne als Bedrohung erscheint,  bemüht sich nicht darum, komplizierte Dynamiken zu verstehen, sondern darum, die Wurzel allen Übels durch Schuldzuschreibung greifbar zu machen.

Die gemeinschaftliche Deutung der Realität und die Festlegung der Schuldigen, bereitet dem kollektiven Frustabbau den Weg.

In dieser Weltsicht haben Verschwörungen und Paranoia nicht nur ihren Platz, sondern dienen als tragende Säulen.

Der Antizionismus baut auf nie überwundenen antisemitischen Ressentiments. Israel wird in Deutschland  über Projektionen wahrgenommen, die einer verkehrten Weltsicht entspringen. Und den Beschädigungen der deutschen Psyche.

 Bei den Deutschen ist es mehr als nur die Aversion gegen die  Erfolgsgeschichte des Staates Israel, in der die Enttäuschung über die Moderne sich in der Wut auf ein modernes “Gebilde” auslässt, dem Unheil und Verderben zugeschrieben werden. Die Vorwürfe, Israel sein Apartheit, Aggression und religiöser Wahn gründen nicht in einer Analyse des demokratischen Einwandererstaates sondern in der Psyche der Israel”kritiker”.    

In Deutschland wird das antimodernistische Ressentiment vom Drang nach Revision der Geschichte begleitet. Die Gemeinschaft der Deutschen sieht sich - trotz aller angestrenten schwarz-rot-geilen Bemühungen um Normalität  - durch den Holocaust  diskreditiert . Die Rehabilitation des Volkskörpers will nicht gelingen, was unbegriffene  moderne Zeiten nur noch gefährlicher erscheinen lässt. 

Auschwitz soll deshalb auf verschiedene Weise entsorgt werden. Durch den Bau von Denkmälern wie in Berlin, Aufrechnung wie in Dresden, Generalisierung wie überall betrieben. Das Gedenken wird als als hohle Mahnung gegen Diskriminierung allgemeiner Art entsorgt.
Der Geschichtsrevisionismus, der aus Hitlers willigen Helfern ein Volk kostruiert, dass unter einer kleinen Gruppe von Nazidespoten zu leiden hatte, hat an seiner Popularität nichts eingebüßt, seit den Jahren, weit vor meiner Geburt, als im Heimatbuch meines Geburtsdorfes festgehalten wurde, dass zur betreffenden Zeit “der Krieg über Deutschland hereingebrochen ist”.
Besonders in Mode ist neben Opfermythos die extreme Geschichtsrelativierung, die Israelis als neue Nazis benennt.
Instrumentalisierung des Holocaust, Faschismus und Vernichtungsdrang lauten  die  Vorwürfe an Israel, die stets wird der Ruf nach Bestrafung so laut, dass dem Antisemitismus der Schleier der Israelkritik endgültig genommen wird. Internationaler Gerichtshof, Boykott und iranische Atombombe. Die Straflust ist eine wahre Obsession. 
Nach einer Studie der Universität Bielefeld von 2004 stimmen 57,3 % der Deutschen der Aussage “Israel führt einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser” eher (33,2%) bzw. voll und ganz (35,1%) zu. Der Aussage “Was der Staat Israel heute mit den Palästinensern macht, ist im Prinzip auch nichts anderes als das, was die Nazis im Dritten Reich mit den Juden gemacht haben” stimmen 23,9 % der Deutschen eher und weitere 27,3% voll und ganz zu.
Wo ist die Auseinandersetzung, die Adorno und andere ideologiekritsche Sachbverständige eingefordert haben, um abzusichern, dass Ausschwitz nie wieder sei?
In ideologiekritischer Betrachtung ist der antisemitische Wahn, der sich bis zum Holocaust gesteigert hat, nicht mit dem Sturz von Nazideutschland verschwunden und muss auch im vermeintlich nachfaschisischen Deutschland aufgespürt werden.

Im Grunde sind die Lehren aus dem Holocaust nicht so schwierig, wie es gerne angeführt wird. Es geht nicht um die Erörterung der Schuld nachfolgender Generationen, sondern um die besonderen Verantwortung Deutschlands - als Nachfolgestaat des Dritten Reichs - eliminatorischen Antisemitismus NIE WIEDER den Weg zu bereiten. Ein angemessenes Gedenken an Auschwitz wäre es - über die ohnehin viel zu spät bezeugte Sympathie mit den Opfern hinaus -  Solidarität mit denen zu zeigen, die in den Fokus der Erben jener völkermordverursachnden Ideologie gekommen sind. Das Gedenken an den Holocaust ist eine Aufforderung, unbedingte Solidarität mit dem Staat Israel zu zeigen.

Deutschland, dessen Existenzrecht nach Auschwitz nur mit der besonderen Verantwortung für den jüdischen Staat gedacht werden kann, darf die Augen vor der angedrohten Zerstörung Israels nicht verschliessen.

Deutschland hat demonstiert, wie grenzenlos der antisemitische Wahn ist und die Geschichte hat gelehrt, wie wirkungslos sich das Appeasement hinsichtlich des eliminatorisch gesinnten Antisemitismus verhält.

Das Gedenken an den Holocaust kann nicht in einer Reihe von Denkmälern entsorgt werden. Es fordert zu einer ernsthafteren Auseinandersetzung auf, um zu verhindern, dass Auschwitz je wieder sein wird. Es mahnt aus der Geschichte zu lernen, dass der antisemitische Wahn nicht bei Drohungen und Vorbereitungen zum Völkermord halt macht.

Zu Hitlers Zeiten in die islamische Welt exportiert, hat der antisemitische Wahn dort Wurzeln geschlagen und blüht in fruchtbarer Verschlingung mit dem Islamismus auf. In Europa musste er sich dageen zum Antizionismus wandeln. Trotzdem ist die Ideologie der Apokalyptiker in Teheran und die ihrer Sympathisanten in Europa verwandt mit den Weissen von Zion und den Propagandisten der Endlösung der Judenfrage.

Den Machthabern im Iran kommen in Europa allerhand apologetische Dienste zu. Ihnen wird entweder unterstellt überhaupt nicht nach der Bombe zu streben oder zugestanden diese zu besitzen (hier fehlt es der pro-iranischen antizionistischen Front an Stringenz). Und stets wird darauf hingewiesen, dass alles, was sie verlautbaren, doch ganz anders gemeint ist.
Dieses obsessive Eintreten für eine Wahnehmung, der das iranische Streben nach der Bombe und die Vernichtungsphantasien hinsichtlich Israel, verschleiert bleibt, ist Dienst am Antisemitismus.

Auch die Verdrehung der iranischen Aggression gegen Israel (die nicht nur im Griff nach der Bombe, sondern auch durch den Terrorismus seiner Statthalter im Libanon und im Gaza zum Ausdruck kommt) ist so aufzufassen.

Um einen evtl. israelischen Präventivschlags als letztes Mittel zum Überleben des jüdischen Staates als initiale Gewalt darzustellen, auf die der Iran mit dem Streben nach der Bombe quasi nur reagiert, ist nur unter bewusster Verdrängung des Verstandes zu Gunsten der Propaganda möglich. Trotzdem findet sich diese Sichtweise überall

Antisemitismus ist mehr als mit den Juden ein Problem zu haben und
tatsächlich hat der Iran mit dem jüdischen Staat weder einen Grenz- noch einen Flüchtlingskonflikt. Im Iran sind Fanatiker an der Macht, nach deren Verständnis der Welt die Moderne nioch viel mehr als Bedrohung erscheint, als den deutschen Globalisierungsgegenern von rechts und links, die sich so gerne solidarisch mit den Mullahs geben.

Ungeachtet des eigentlich himmelschreidenden Unterschieds, der zumindest zwischen linker und iranischer Agenda hinsichtlich Frauen- und Minderheitenrechten und dem Umgang mit Homosexualität besteht. Es ist zu offensichtlich, dass die Verbrüderung allein dem gemeinsamen Feind geschunden ist. Mit missionarischem Eifer treiben die Machthaber in Teheran deren Tilgung von der Landkarte voran und bekommen dafür mächtig Schützenhilfe aus sogenannten antiimerialistischen Kreisen in der ideologischen Wiege des planvollen Vernichtens der Juden.

Es sei den Antizionisten einmal unterstellt, dass sie die Vernichtung Israels gar nicht wollen, sondern sich vom nuklearen Iran eine Zurechtstutzung der israelischen Stellung erhoffen. Hier wirkt sich die ausgebliebene Aufarbeitung von Auschwitz besonders fatal aus. Da es sich in radikalste Steigerung antisemitischer Ressentiments, Millionen Menschen umbringen zu müssen, um die Welt zu retten, schwer hineindenken lässt, wird er schlicht verleugnet und denen, die ihn ernst nehmen, Instrumentalisierung vorgeworfen. Alles nur Vorwand für einen Krieg gegen das große iranische Volk etc. Pp.

Auch in Deutschland ging der tatsächlichen Judenvernichtung der Entschluss und die Planung voraus. So unmöglich es ist, sich vorzusetellen, wie die Rationalität in den Dienst der effektiven Ermordung von Millionen Menschen gestellt werden konnte, muss akzeptiert werden, dass es geschehen ist und in einer anderen Form wieder aufgenommen werden soll. Und wie Netanyahu richtig festgestellt hat, wird das irrationale Hinschlachten nicht bei den Juden halt machen.

Ein fanatisches Regime, das droht Israel von der Landkarte zu tilgen, schickt sich an, in den Besitz von Atombomben zu kommen.

Aus dem Holocaust sollte die Lehre gezogen werden, den Wahn eliminatorisch gesinnter Antisemiten nicht zu unterschätzen und alles zu tun, dass es zu keinem weiteren Völkermord an den Juden kommt.

Gerade hier muss der Holocaust als Mahnung stehen, die Zeichen der Zeit zu erkennen, bevor ein weiteres unbegreifliches Verbrechen geschieht.

Ich schaue aus Tel Aviv mit der größten Bestürtzung auf Deutschland, wo es scheinbar nicht wenige gibt, denen eine Bombe in den Händen der apokalyptischen Is lamisten nicht unrecht wäre und denen es einen Lustgewinn zu bereiten scheint, sich dieses Szenario auszumalen und seinem Zustandekommen das Wort zu reden.

Der Iran droht Israel von der Landkarte zu streichen. Gerade in Deutschland sollte dies zu einer unbedingten Solidarität mit dem jüdischen Staat führen. Von einer Vorreiterrolle bei Sanktionen bis zur Unterstützung eines Luftschlages.

Older Posts »