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Tel Aviv Yafo Gaza

Yafo blieb waehrend der Militaeroperation cast lead ruhig, genauso wie Akko und uebrigens auch Ramallah. Ein Umstand, der viel zu wenig Erwaehnung findet. In meinem Wohnumfeld konnte ich an Veraenderung lediglich konstatieren, dass das Wasserpfeifencafe zur Nachrichtenzeit voller war als sonst.
Vielleicht sind insgesamt weniger Leute in die Bars gestroemt. Schwer zu sagen. Im Grunde hat der Waffengang der Lebenslust von Tel Aviv genausowenig einen Abbruch getan, wie dem konfliktarmen Nebeneinander von Juden und Arabern.

Wobei unter der phaenomenologischen Ebene natuerlich Einiges anders war als sonst. Selbst in Tel Aviv. Ich habe das ueber meinen Umgang mit einfachen Menschen im KKH erfahren. In einem Land mit sechs Millionen Einwohnern hattte ungefaehr JedeR einen Liebsten aus naehrerem oder weiterem familiaeren Umfeld oder Bekanntenkreis unter den Zehntausenden, die in den Kampf geschickt wurden. Die Angst um deren Leben muss Hunderttausende erfasst haben.

Woher sich dann die breite unterstuetzung eines so vorhersehbar todbringenden Unternehmens bezog ist nur dann zu erfassen, wenn man mit der Betrachtung nicht erst am 27.12. anfaengt. Es ist fuer Israelis absolut nicht akzeptabel, dass Raketen auf Israelis geschossen werden und Kinder mit rotem Alarm aufwachsen muessen. Es widerspricht in elementarer Weise der Idee von Israel als einem Ort, an dem Juden sicher sind.

Europaeische Jounalisten haben neben ihren Ressentiments, die jeder Berichterstattung ueber israelischen Anti-Terror-Kampf zu Grunde liegen, auch wieder ihre Verwunderung ueber Tel Aviv gepflegt. Das vitale Treiben in kriegerischen Zeiten scheint ihnen anstoessig. Bubble Town. Wenn europaeische Journalisten sich wundern, dass das Leben hier auch waehrend solcher Zeiten seinen gewohnten Gang geht, sollten sie nicht vergessen,dass ein Israeli in meinem Alter bereits mehrere Kriege, die zweite Intifada mit ihren dutzenden blutigen Selbstmordanschlaegen und Scud-Raketen auf Tel Aviv miterlebt hat.
Zu seiner Lebensfreude zu stehen ist weniger Verdraengung als mehr Ueberzeugung, ohne die man hier schnell einpacken koennte.

Ein Israeli in meinem Alter war drei Jahre bei den israelischen Streitkraeften und weiss, dass diese gegen Terroristen kaempfen und nicht gegen Zivilisten.
Es ist ihm auch klar, dass Hamas nur deswegen keine Raketen auf Tel Aviv feuert, weil sie noch keine Raketen mit solcher Reichweite haben. Dass die Hamas die Vernichtung Israels anstrebt. Dass es richtig ist die Hamas zu bekaempfen. Dass sich Hamas in diesem Kampf hinter der palaestinensischen Zivilbevoelkerung versteckt um die israelische Zivilbevoelkerung zu terrorisieren. Dass sie mit Bildern toter Zivilisten kaempft. Bilder toter Israelis um Israel zu demoralisieren und Bilder toter palaestinensischer Zivilisten um Israel zu demoralisieren.

Wenn ein Israeli in meinem Alter die Schreckensbilder aus Gaza sieht, laesst ihn das nicht kalt. Er empfindet aufrichtiges Mitleid. Ich stelle das im Umgang mit Israelis in meinem Alter hier immer wieder fest. Die Bilder toter Zivilisten im Gaza belasten das israelische Gewissen. Ich stelle das im Umgang mit “einfachen Menschen” im KKH immer wieder fest.
Trotzdem hielt und haelt eine ueberwaeltigende Mehrheit von Israelis die Militaeroperation gegen die Hamas fuer richtig. Wer den Islamterror als Ursache des Leidens der Israelis und auch der Palaestinenser ansieht, erkennt, dass eine Befuerwortung des Waffengangs das Mitleid mit den zivilen Opfern im Gaza nicht ausschliest. Wenn man die breite Unterstuetzung der Israelis fuer cast lead verstehen will, ist es wichtig zu sehen, dass sie Ursache und Folge nicht wild durcheinander bringen. Hamas traegt die Verantwortung fuer alle Toten. Sie sind ihr Programm. Tod Israel als Ziel und tote Palaestinenser als Mittel.
Ein kleiner Beitrag gegen das Treiben der Moerderbande kann durchaus auch darin bestehen sich nicht einschuechtern zu lassen. Ausgehen gegen den Terror.

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