Waehrend die Hamas im Austausch fuer den vor 1000 Tagen entfuehrten Soldaten Gilad Shalit eine unahnnehmbare Zahl von Moerdern zurueck in ihre Reihen fordert, zeigen sich Europaeer um die Rueckkehr der Radikalislamisten in die palaestinensische Interessenvertretung besorgt. Statt Hamas zu draengen, Gilad Shalit in die Haende seiner Familie zu geben, verlangt es den allzeit gewillten Unterstuetzern der Palaestinenser nach einer Regierung der nationalen Einheit.
Die Teilnehmer der juengsten Geberkonferenz wuenschen sich, um die bereits zugesagten Milliardenhilfen erleichtert zu werden und brauchen dafuer zumindest den Schein einer Ueberwindung des palaestinensischen Schisma. Das Geld direkt in die Haende der Hamas zu geben ist derzeit noch nicht denkbar. Zwar stellen Fatah und Hamas in programmatischer Hinsicht nicht gerade solche Gegensaetze dar, dass es sich rechtfertigen liesse, die eine Organisation zu hofieren und der anderen mit Argwohn zu begegnen, doch war die Aufspaltung in gute Palaestinenser und weniger gute Palaestinenser durchaus noetig um eine Verklaerung der Fatah hin zur moderaten Kraft zu erreichen.
Den Geldgebern muesste allein aus ihrer Erfahrung klar sein, dass der Geldstrom – zumindest jener Teil der nicht gleich versickert – doch wieder in betraechtlichem Umfang in den Auf- und Ausbau zahlreicher Geheim- und Sicherheitsdienste fliessen wird. Und natuerlich auch dem palaestinensischen Widerstand gegen die Existenz Israels zukommen wird. Auch wenn die Palaestinenser nach Darstellung von UN und anderen Hilfsorganisationen immer kurz davor sind am Hungertuch zu nagen, scheinen die Vorraete an Schnellfeuergewehren, Munition und Raketen unerschoepflich. Dort wo der Geldfluss der westlichen Unterstuetzer nicht direkt in die Aufruestung der Waffenarsenale fliesst, wird die Entlastung geschaffen, die es den Finanzhilfen aus Teheran moeglich macht, entsprechend ihrer Bestimmungen eingesetzt zu werden.
Hier verhaelt es sich mit der Wahrheit, wie mit einer Hure, die jeder kennt und ihr doch nicht bei Tageslicht begegnen will.
Dass ein junger Israeli seit bereits 1000 Tagen in palaestinaensischer Gefangenschaft leidet, scheint dem schamlosen Anflirten seiner Entfuehrer keinen Abbruch zu tun.
Wer verstehen will, was dieser Tage Israel bewegt, der muss das Schicksal von Gilad Shalit und seiner bangenden Familie in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen setzen und den Zirkus um die Einheitsregierung der Palaestinaenser an den auessersten Rand.
Fuer den, der hier lebt, ist Nahost-Diplomatie Teil eines auf Dauer eingerichteten Konflikts, der ein staendig nervendes Hintergundgeraeusch erzeugt und doch im taeglichen Leben soweit ausgeblendet wird, dass er die Lebensfreude nicht abwuergt.
Bei den Entwicklungen im Entfuehrungsfall Shalit aber stockt bei jedem neuen Hinweis auf eine eventuelle Entwicklung ganz Israel der Atem.
Sollen sich Hamas und Fatah in Kairo oder sonstwo versoehnen und gemeinsam ein von der westlichen Welt eingelassenes Geldbad nehmen und neue Plaene schmieden um sich dann wieder gegenseitig die Koepfe einzuschlagen und so fort.
Fuer das alltaegliche Leben in Israel ist es relativ unbedeutend, unter welchen Bedingungen sich welche palaestinaensischen Machthaber nicht bereit erklaeren ihren Kampf gegen Israel aufzugeben.
Israel ist indes in Gedanken bei Gilad Shalit.
Fordert seine Freilassung.
Ich habe auf Arbeit im KKH oder im Bus oder sonstwo noch niemanden heiss ueber europaeische Friedensbemuehungen diskutieren hoeren.
Die Sorge um Gilad Shalit ist aber ueberall spuerbar.
Die Existenz Israels ist von der Bereitschaft seiner BewohnerInnen abhaengig, das Land gegen seine zerstoerungswuetigen Nachbarn auch mit Gewalt zu verteidigen. Familien schicken ihre Soehne und Toechter zu den Streitkraeften. Israel verspricht ihnen dafuer, Niemanden hinter den feindlichen Linien zurueck zu lassen.