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Wenn meine BesucherInnen am letzten Tag ihrer Israel-Reise resuemieren, dann reflektieren sie ihre Erlebnisse oft auf die Vorstellungen, die sie sich vorab gemacht haben und kommen dann zu dem Schluss, dass alles doch irgendwie anders ist, wie man sich es sich eben so ausmalt.  

 

Im Alltag komme ich dem Aussergewoehnlichen kaum auf die Spur. Dass meine KollegInnen im Krankenhaus aus allen moeglichen osteuropaeischen, zentralasiatischen und arabischen Laendern stammen, muss ich mir schon bewusst vergegenwaertigen, um es als etwas Besonderes zu begreifen.

  

 

Gerade aber bei meinen BesucherInnen bleibt eine Idee der faszinierenden Vielschichtigkeit haengen, die das Land und die israelische Gesellschaft kennzeichnet.

 

Mir selbst stellt sich das Nebeneinander der verschiedenen Lebenswelten als Normalzustand dar. Ich kaeme sonst aus purim-partydem Staunen auch gar nicht mehr heraus. Ich begegne jeden Tag zwischen Yafo und Yad Eliyahu zahllosen Hippies und Orthodoxen, hoere den Muezzin mehrmals am Tag plaerren und viel viel orientalischen Pop aus Kiosken und Haendys schmachten. Ich hoer Leute sich Hebraeisch unterhalten, Russisch, Englisch, Arabisch. Ich seh in Tel Aviv tausende Tassen Cappuchino auf den Tischen der zahllosen Cafes stehen und unglaublich viele Becher mit tuerkischem Cafe und angezuendete Zigaretten in den Haenden der Mizrahi, die vor ihren Geschaeften sitzen.

 

Das alte Europa scheint dagegen von einer krassen Gleichfoermigkeit gepraegt.

 

Doch kann es mir keine staendige Bewunderung entlocken.

 Meine Freizeit verbring ich meist entweder in den Bars und Cafes im Sueden von Tel Aviv, die alternatives Publikum links des sozialliberalen Milieus anziehen oder in Yafo. Waehrend meine KollegInnen im KKH zu Likud und Israel Beitanu tendieren, wuerde in den Laeden, die ich in Tel Aviv zu meinem Amusement aufsuche, Hadash alle anderen Parteien in den Schatten stellen.

 

Wenn mir der Sinn nicht nach Szene steht, dann treibe ich mich in Yafo herum, wo in meiner Nachbarschaft in den letzten Monaten einige Bars und Cafes aufgemacht wurden, die der Naehe zum Mittelmeer noch ein weiteres Argument zufuegen sich fuer den Jerusalem-Boulevard als Homebase zu entscheiden.

 

Waehrend mir mein Alltag also als auesserst alltaeglich im angenehmen Sinne erscheint, bin ich auch fuer meine Umgebung schwer als Nicht-Israeli auszumachen

Doch braucht es nur etwas ausholendere Betrachtung oder auch eine Verschaerfung der Spannungen zwischen Israel und seiner Nachbarschaft um das Ausergewoehnliche des Lebens der Israeli zu sehen, dem ich zu einem gewissen Grad immer nur als Beobachter folgen kann.

 

Ich bin in Deutschland wie selbstverstaendlich nicht zum Bund gegangen. Moege es fuer viele meiner Altersgenossen Gruende gehabt haben, Wehrdienst zu leisten, so gab es fuer alle Leute, mit denen ich mich rumgetrieben habe, gute Gruende diesen zu verweigern. Hier in Israel ist es dagegen selbstverstaendlich, dass auf die Schule der Dienst bei den israelischen Streitkraeften folgt. Wer hier einmal zu Besuch war, der konnte sich der Vielzahl junger Menschen in Uniform nur schwer entziehen. Keine Busfahrt von Tel Aviv nach Jerusalem und keine Zugfahrt von Beer Sheva nach Haifa ohne dass dutzende Gewehre mit an Bord getragen werden.

Der Armeedienst ist fuer Israelis ein praegender Teil ihrer Lebensgeschichte. Junge Maenner werden drei Jahre verpflichtet, junge Frauen zwei Jahre. Die IDF ist dadurch auch wichtige Integrationsinstanz fuer die Einwanderergesellschaft. Sehr oft haben wir im KKH Soldaten, die im Rahmen ihres Armeedienstes einen der vielen verpflichtenden Freiwilligendienste in sozialen Einrichtungen ableisten.

 

Oft genug bedeutet der Dienst bei der IDF aber toedlichen Ernst. Die danger_minesUeberlegenheit der israelischen Armee in der Region sichert  das Ueberleben des juedischen Staates. Erste und zweite Intifada und mehr als ein halbes Dutzend Kriege, die Israel seit seiner Staatsgruendung aufgezwungen wurden, haben fuer zehntausende Israelis Erfahrungen bereit gehalten, die mir ewig fremd bleiben werden.

Auch fuer die Menschen in meinem Alter, von denen ich mich in meinen Gewohnheiten kaum zu unterscheiden pflege. Ich hab mit Freunden die letzte WM und EM geschaut und Bier getrunken und hab dann weiter Bier getrunken als sie in die Reserve berufen wurden um im Libanon bzw. Gazastreifen einen assymetrischen Krieg zu kaempfen. Ich hab europaeische Zeitungen studiert, in denen ihr unverhaeltmismaessiger Einsatz angeklagt wurde und gleichzeitig darum gebangt, die naechste WM und EM wieder mit ihnen anschauen zu koennen.

Waehrend die Verteidigung Deutschlands am Hindukush sich gerade dadurch auszeichnet, dass eine Konfrontation mit radikalislamistischen Terroristen, die der freien Welt den Krieg erklaert haben, vermieden wird verhaelt es sich fuer die IDF ganz anders.

Das Leben in Israel tobt mit einer Selbstverstaendlichkeit, die kaum den Blick freigibt auf die Bedingungen unter denen es ueberhaupt erst moeglich ist. Die Freiheit unter der sich die Lebenslust hier erst entfalten kann, muss von den israelischen Streitkraeften erkaempft und mit der Waffe verteidigt werden. Denn all das  bunte Treiben hier, ob postmodern oder traditionell, hat Feinde in seiner Umgebung, die dem Laden unter allen Umstaenden die Lichter ausschiessen moechten. Israel ist ein kleines Land, dem von allen Seiten mit Zerstoerung gedroht wird. In dessen Nachbarschaft sich Terrororganisationen nach Kraeften und Moeglichkeiten um ein Ende der Existenz Israels bemuehen. So verrueckt es einen machen muesste, sich dessen gewahr zu sein, so aussergewoehnlich erscheint es dann doch, dass alle Bedrohung, an der es keinen Zweifel gibt, es nicht vermag an den Grundfesten der einzigen freien Demokratie im Nahen Osten zu ruetteln. Die Gesellschaft duldet keine Totalisierung ihrer Lebensverhaeltnisse. Auch unter Feuer gestehen sie dem Islamfaschisms, der sie belagert, keinen Fussbreit zu.

  

Es waere doch interessant einmal zu erforschen, inwieweit in der europaeischen Anthipatie gegen Israel Neid gegen eine Gesellschaft mitschwingt, die sich so unbedingt zu Freiheit und Demokratie bekennt und auch bereit ist diese zu verteidigen.  

Angesichts der islamischen Bedrohung ist in Europa vorauseilende Kapitulation zu konstatieren, wie sie Broder  in seinem Buch “Hurra, wir kapitulieren” so herrlich pointiert hat.

Europaeern scheint es schwer verdaulich, dass Israel keine Abstriche an seiner Existenz als freie und demokratische Gesellschaft zulaesst.

 Dass Israel sich dem Kampf um die Freiheit stellt, muss Europaeern immer wieder einen Hinweis auf ihren Verrat am eigenen Freiheitsversprechen geben. Oft und gerne wird aus Europa der Wunsch vernommen Isarel fuer seine Militaeraktionen zu sanktionieren.

Israel verhandelt seine Freiheit nicht und zieht sich so die Straflust derer zu, die es tun, ohne es sich eingestehen zu wollen. Es gibt fuer Israel keinen Frieden durch Ausgleich mit seinen Feinden.

Junge Israelis stellen sich im Rahmen ihres Armeedienstes den Feinden der Freiheit, die dem juedischen Staat nach seiner schieren Existenz trachten und riskieren dabei nicht selten ihr Leben.

Europaeern werden dagegen immer neue Rechtfertigungen fuer ein Appeasement gegenueber radikalislamistsichen Kraeften eingehaemmert. Als ob ihr “Nie wieder” nie “Nie wieder Faschismus” zu bedeuten haette, sondern “Nur kein Stress”. Dass kann dann schon zur Straflust gegenueber denjenigen fuehren, die sich nicht wegducken. So wichtig die IDF ist, so unbeliebt ist sie. 

Gerade deshalb verdient sie die uneingeschraenkte Solidaritaet derjenigen, die es mit “Nie wieder” Ernst meinen. 

 

 

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