
Sie gelten als die Kristallation Israelischer Aggression gegen die Palaestinenser. Als Hindernis auf dem Weg zum souveraenen palaestinensischen Staat und damit zum Nahost- und Weltfrieden. Ihre Bewohner gelten als Rassisten und religioese Eiferer.
Nichts und niemand bringt die friedliebende und liebend gerne Frieden vermittelnde westliche Welt mehr auf die Palme als Siedlungen und Siedler.
Ich war vor zwei Jahren in einer Siedlung tief im Westjordanland. In der Gegend von Ariel auf einer Feier von Station. Es wurde viel Wodka getrunken im Garten des praechtigen Haus der Oberschwester. Ich erinnere mich an den fantastischen Ausblick. Obwohl es mir zum Leben zu abgelegen von Tel Aviv erschien, hat es mir an dem Abend sehr gefallen in der Siedlung. Ein im Grunde ungeheuerlicher Eindruck, dem ich da aufgesessen bin. Denn Siedlungen haben als Pfui Teufel zu gelten.

Also habe mich heute in Ma’ale Adumim umgesehen. Der groessten juedischen Siedlung in Judaea und Samaria. Oestlich von Jerusalem gebaut [bzw. gelandraubt] um einen angemessen negativen Eindruck von den “israelischen Kassam” zu bekommen.
Obwohl ich mir fest vorgenommen habe, so viele Vorbehalte wie moeglich ins Reisegepaeck zu nehmen, ist es mir beim besten Willen nicht gelungen die Daemonisierung zu vollziehen.
Es ist geradezu absurd friedlich in der Siedlung, die dem Frieden in Nahost mehr im Wege steht als aller radikalislamistischer Terror. Es ist ruhig und sauber und ordentlich. Eine Wohltat fuer Familien, die sich dem Grossstadtstress von Jerusalem nicht aussetzen wollen. Tatsaechlich ganz Pendlervorstadt.
Mit atemberaubendem Blick auf die angrenzende judaeische Wueste auf der einen und Mount Scopus in Jerusalem auf der anderen Seite.
Nichts fuer mich zwar, da ich die Geschaeftigkeit der Grossstadt und ihr vielfaeltiges Unterhaltungsangebot unbedingt zum Leben brauche. Es ist ohne Zweifel Schoener Wohnen, doch eben auch langweilig. Abgesehen vom Ausblick ist nicht viel geboten, in der Siedlung, die das Blut westeuropaeischer und obamaverfallener Amerikaner in Wallung bringt.





[...] Denn letztlich koennte man sich doch fragen, warum denn den BewohnerInnen von Ari’el nicht zugestanden werden sollte, bis auf Weiteres ein normales Leben in ihrer schoenen Stadt zu fuehren. Dass Siedlungen nicht gutwillig geraeumt und gutglaeubig in die Haende der Palaestinenser gegeben werden koennen, muesste spaetestens seit dem Rueckzug aus Gaza klar sein. Muesste wohlgemerkt, denn Steinmeier und Co. reiten eben auf dieser Forderung herum. Fuer Bibi indes scheint ein “judenreines” Judaea und Samaria undenkbar. Vielleicht sollte Steinmeier statt einer drei Hauptstaedte an einem Tag Angeberreise einmal einige Stunden in Ari’el verbringen. Um sich etwas in die Menschen einzufuehlen, deren Existenz in Samaria so verteufelt wird. Denn zur Daemonisierung eignen sich die BewohnerInnen von Ari’el – unter ihnen sehr viele russischsprachige Einwanderer – so wenig, wie die Einwohner von Ma’ale Adumim [...]