Ramadan habe ich unbeschadet ueberstanden, obwohl meine ohnehin nicht ausgepraegten Sympathien fuer unsere arabischen Nachbarn muslimischen Glaubens doch sehr auf die Probe gestellt wurden. Einen Monat lang wurde die Strasse am spaeten Abend mit Silvesterknallern belegt. Ich hab mich daran erinnert, als dann zum juedischen Laubhuettenfest in Jerusalem Krawall aufgefuehrt wurde, da sich die Muslime zum Anlass juedischer Feierlichkeiten vorgeblich mal wieder in ihren eigenen religioesen Gefuehlen verletzt sahen. Als sich eine Woche lang tausende Juden an der Klagemauer eingefunden haben, wurde der Zugang zum Tempelberg eingeschraenkt. In der Al-Aksa Moschee wurden taschenweise Steine gefunden, ueber die nur schwer hinwegzusehen ist, wenn Tempelberg und Klagemauer nur einen Steinwurf voneinander entfernt sind. Wer schon einmal in Jerusalem war, weiss um die Brisanz der Naehe. Auf jeden Fall war es auf Seiten der Funktionaere muslimischen Glaubens, den Vertretern der selbsternannten Religion des Friedens, mal wieder Anlass zum Zorn zu mobilisieren, wie dies in letzter Zeit oefters und zu verschiedenen Anlaessen geschieht. Wenn Juden nach Ost-Jerusalem ziehen oder eben juedische Feiertage anstehen.
Ich habe mich waehrend der Festwoche, in der glaeubige Juden ihr Leben in Huetten verlagern, nicht nur an die Kalgemauer, sondern auch in die ultraorthodoxen Viertel Jerusalems begeben, um mir anzuschauen, wie tatsaechlich auf jedem Balkon, in jedem Hof und auf verschiedenen Parkplaetzen Huetten gezimmert waren. Mein Fall ist soviel religioese Hingabe nicht, doch konnte ich unerhoerter Weise nicht Ablassen und bin noch ueber Mea Shearim hinaus durch die vielen anderen Viertel geschweift, die in oltraorthodoxer Hand sind.



Eine meiner wenigen weiteren Unternehmungen ausserhalb von Tel Aviv war ein Ausflug, der mich die Festtage nach Ein Gedi verschlagen hat, wo ich das Hochplateau bezwungen habe. Mich mit meinen 30 Jahren bei weit ueber 30 Grad im Schatten, theoretisch, da der nirgends vorhanden war, bis in jene Hoehen begeben, von wo sich ein berauschender Ausblick uber die Wueste, das Tote Meer bis nach Jordanien ergibt. Nach Abstieg war es mir dann sogar vergoennt unter einem Wasserfall im Wadi des Nationalparks zu baden und die Bekanntschaft einiger Steinbocke zu machen.





Andere Ausfluege haben sich auf Jerusalem und Haifa beschraenkt und das Moshav Allone Aba im Norden. Wobei ich meine Reihe ueber die konflikttraechtigen Orte in Israel bald fortsetzen moechte. Derweil feile ich aber an meinen Jerusalem und Haifa Fuehrungen. Jerusalem ist schon sehr ausgereift, wie ich bemerkt habe, als ich die Stuttgarter Punker, die mich diesen Sommer besucht haben, durch die heilige Stadt gefuehrt habe. Hier ist lediglich am Finish noch etwas zu verbessern. Ich geleite nach Fruehstueck im bezaubernden Buechercafe Tmol Shelshom zu der Windmuehle und dem anliegenden Park, dann rein in die Altstadt, durch christliches, muslimisches, juedisches Viertel, dann hinaus auf den Zionsberg und rueber in die deutsche Kolonie. Danach dann Feierabendbier im Ben Sira 3.


Auch Haifa Fuehrungen werden bald der absolute Knaller sein. Jetzt wo ich das christlich arabische Viertel Wadi Nisnas neu entdeckt habe und der Hafen etwas herausgeputzt wurde, bietet auch die Unterstadt in Anschluss an die deutsche Kolonie, und Knaffe im Fattoush, vor Aufstieg auf den Carmel einige Reize. Hoehepunkt oben bleiben der Blick runter und das Feierabendbier im Barbarossa.

In fussballerischen Angelegenheiten geht mir die Bundesliga inzwischen nur noch auf die Nerven. Dass hat seine tieferen ursachen weniger in meinen Vorbehalten gegen Deutschland, als es vielmehr mit einem einst zum Zeitvertreib angefangenen kicker-Manager”Spiel” zusammenhaengt, dass mich psychisch zu ruinieren droht. Vielmehr noch als die Fussballwetten. Da ich unweit des Bloomfield-Stadion wohne, interesiere ich mich ablenkungsweise fuer die israelische Liga. Ich hab nur noch nicht klar entschieden, fuer wen ich sein soll. Kulturell bietet sich der linke Arbeiterverein Hapoel Tel Aviv an. Dem ist seine rote Seele tatsaechlich nicht abzusprechen. In den Fankreisen gelten die aus der linken Szene sattsam bekannten Anti-Dies und Anti-Das sehr viel. Die Fanfreundschaft mit St. Pauli wird gepflegt. Ich habe schon St. Paulianer getroffen, die zu einem spiel Hapoel gegen Beitar eingeflogen sind. Auf Auswaertsspielen in der Europaliga ist ein grosses ACAB Transparent im Gaesteblock der Hapoel Anhaenger zu sehen. Ich mag das Team tatsaechlich auch sehr, wobei mich auch der relative Erfolg der Roten auf europaeischer Ebene in den letzten Jahren anmacht. Aber ist da eben auch noch Bnei Yehuda Tel Aviv, der Vertreter von Yad Eliyahu und natuerlich Maccabi Haifa. Ich habe viele Freunde im Norden, die fuer Maccabi Haifa gluehen und bin ein Stueck weit auch davon angesteckt. In der Basketball Euroleague bin ich fuer Maccabi Tel Aviv.
