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Gilo – juedischer Stadtteil auf einem Huegel im Sued-Osten der israelischen Hauptstadt Jerusalem.

Ich war in Gilo und moechte gegen eine Suggestion, wie sie die Zeit in ihrer Bilderwahl betreibt, ein paar Eindruecke wiedergeben, die sich beim Besuch von Gilo aufdraengen.

 Es werden keine Wohnblocks neben Moscheen geklotzt.
In Gilo leben Menschen, die eine ruhige Vorortlage teurem Innenstadttrubel vorziehen. Gilo ist sehr schoen auf einem Huegel gelegen und wie andere Pendler-Peripherie zu Geschaeftszeiten aeusserst unbelebt. Gilo ist eine Wohnsiedlung, in der bereits tausende Juden leben. Die Idee, dass sich in Gilo Unrecht manifestiert steht in krassem Gegensatz zu der friedlichen Realitaet vor Ort. Der palaestinensische Anspruch auf diesen Huegel, der nie palaestinensisch war, sondern jordanischer Militaerstuetzpunkt, bevor Israel ihn erobert und zum Gebiet seiner Hauptstdt geschlagen hat, scheint absurd. Es ist nicht so, wie es uns die Bildsprache der Zeit einblaeuen mochte. 

Auf religioesem Wahn oder grossisraelischer Motivation keine Hinweise. Tatsaechlich draengt sich der Reiz der Lage auf und macht es sehr plausibel, dass es einen Bedarf an neuen Wohneinheiten gibt.

Niemand hat die Araber seiner Zeit gezwungen, den juedischen Staat in den Wuergegriff zu nehmen und ihm eine Reihe von Kriegen aufzuzwingen, die zu israelischen Gebietsgewinnen gefuehrt haben. Der Plan, jetzt alles zu annulieren und alle Gebiete jenseits der sogenannten gruenen Linie zum Sperrgebiet fuer Juden zu machen, ist von den Entwicklungen der letzten 40 Jahre ueberholt. Und vorbei an den Realitaeten kann kein vernuenftiger Kompromiss gefunden werden. Sich ueber Wohnungsbau in Gilo zu entruesten geleitet den Nahostkonflikt unter das Licht palaestinensischer Propaganda, die nicht viel zur Erleuchtung beitragen kann.

Von Gilo bietet sich ein freier Blick ueber Jerusalem. Freies Schussfeld und damit ein weiterer Grund, warum es muessig ist, palaestinensische Ansprueche gerade auf diesen Teil Israels zu diskutieren.

gilo VII

 

 

gilo VI

 

gilo IV

 

gilo III

gilo II

gilo I

freier Blick von Gilo auf das Zentrum Jerusalems

gilo V

ein gedi 6

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masada 1

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steinbock

Regentage

Zu schauerlichen Regentagen Ende Oktober gab es die deutsch-israelischen Literaturtage, organisiert vom Goethe-Institut.
Lesugen von deutschen und israelischen Autoren an verschiedenen Orten der Stadt mit anschliessendem Autorengespraech. Uebergeordnetes Thema der 5taegigen Veranstaltung, einer Biennale im Uebrigen, war Leben und Schrieben in den Staedten und als Hommage an Tel Aviv zum 100. konzipiert und auch als Hommage an Berlin zum 20. Jubilaeum des Mauerfalls. Womit dann ein weiterer Beitrag zum gern herbeizitierten Vergleich der beiden Staedte geleistet wurde. Ein Vergleich, der fuer mich als Ex-Kreuzberger und derzeitigem  Einwohner von Yafo keine Substanz hat. Dazu ein anderes Mal ausfuehrlich.

Die Auftaktveranstaltung der Literaturtage im Loft Kastiell, einem sehr schoenen 60er Jahre Loft, hat u.A. die Gruenen Fraktionsvorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus, Frau Eichstaedt-Bohling und Dov Khenin auf das Sofa gebracht, auf dem sie vor gut 250 Zuhoerern eine wenig eingegrenzte Podiumsdiskussion ueber Berlin und Tel Aviv gefuehrt haben. literaturtageNichts was inhaltlich gelohnt haette, doch gab es ordentlichen Wein und leckere Haeppchen. Von der Heinrich Boell Stiftung mitorganisiert, waren einige gruene Funktionstraeger , denen stets etwas Oberstudienratshaftiges anklebt, neben Vertretern der Journaille und anderen Eventhoppern klassischen Formats mit von der Party. Es ist fuer Dialektiker spanend zu beobachten, wie bei solchen Veranstaltugen die Kulturgabe den Abend nur verziert und glaenzende Namen auf der Buehne nicht mehr als den erbaulichen Rahmen fuer die selbstreferentielle Zusammenkunft der Szene abgeben. Den Grundpfeiler der Zusammenkunft bildet der hochtrabende Austausch, den small talk zu nennen wohl die Etikette des elitaeren Kreises verbietet. Das staendige Wechseln kleiner Gespraechsgruppen im Anschluss an die Darbietung, in denen allen Vorgaben des Milieus entsprochen wird. Artverwandt mit den Hardcore Konzerten in selbstverwalteten Jugendzentren. Getruebt im Falle des Goethe Instituts nur durch die staendig spuerbare Obligation des Veranstalters, Deutschland im Ausland den Anstrich einer Nation von Dichtern und Denkern zu geben. Nicht ohne sich des hinterlistigen Tricks zu bedienen, mit einem “kritischen Deutschlandbild” die arge Propaganda zu verschleiern. Im Gegensatz zu den JuZe wird uebrigens trotz millionenfach gewichtigeren Subventionen auf der Buehne selten etwas von der Art produziert, die unsere Verstaendnismuster herausfordert, und damit eine kulturell wertvolle Erfahrung zeitigt.

Pflichttermin war der Abend im Loft aber, da ich einmal den sagenumwobenen Dov Khenin hab reden hoeren wollen, diesen Abgeordneten der juedisch-arabisch kommunistischen Partei in der Knesset, der es in Tel Aviv bei der Buergermeisterwahl mit einem tiefroten Programm mit Unterstuetzung tausender Ehrenamtlicher auf mehr als ein Drittel der Stimmen gebracht hat. Ein Vorzeigeintelektueller.

Wein und Haeppchen waren trotzdem die Hoehepunkte.

In einer Raumschiff genannten Buerowohnung eines bekannten Architekten des Bauhaus fand der zweite Abend der Biennale statt. Wein war da, allerdings mittelmaessiger und formlos zur Selbstbedienung in ein Eck verbannt, waehrend dem Autorengespraech in Anschluss an die Lesung jede Strukktur abhanden gekommen war und auf weitlaeufig angelegte Fragen abgekoppelte Antworten erfolgten und es nur beim Ton zu staendigen richtigen Rueckkopplungen kam. Die beiden Frauen des Abends konnten aber trotz unzulaenglichem setting beeindrucken. Ich habe zum ersten Mal von der mir bis dahin unbekannten Autorin Judith Kuckart gehoert, bei deren Weg von der Taenzerin zur Schriftstellerin auch die Einstuerzenden Neubauten eine Rolle gespielt haben. Israelische Schriftstellerin war Orly Castel-Bloom, deren Werk mehrfach ausgezeichnet und sowohl in Israel als auch international trotz ihrer ralaiv jungen Jahre einige Wuerden empfangen hat. Sie hat sich an dem Abend ohne Zweifel als eine Persoenlichkeit dargestellt, der ich abkaufe, dass sie sehr gut schreibt. Seit dem Abend wartet ihr Buch Dolly City darauf, auch von mir gelesen zu werden. Auf den Heimweg gab es nervigen Nieselregen.

Ungut hat sich dann der dritte Abend angefuehlt, den ich verlassen habe, bevor ihn Frau Dachs von der Zeit eingeleitet hat. Zu verfuehrerisch war es vom Cafe Yafo, wo es an dem Abend gar keinen Wein umsonst gab, davonzuschleichen und daheim einen Stoever zu schauen. Es war einer der unangenehmen Schauertage, die es hier selten, aber doch gerade an dem Tag sein musste.

Ich werde, unabhaengig von der Wettermisere waehrend der Literaturtage, mit dem Goethe Institut als Veranstalter nicht warm. Goethe selbst war um einiges lebendiger als die nach ihm benannten Kulturbotschafter, bei denen man nach Anzueglichkeiten, wie sie an manchen Stellen des Faust anklingen, vergeblich sucht und nur die hochtrabende Langeweile einer Ifigenie von Tauris findet.
Am vierten Tag war ich dann aber doch wieder. Weil es schon um vier und damit guenstig nach Arbeit war und in dem vorzueglichen italienischen Restaurant Radio Rosco, wo ich richtig auf den Hauswein spekuliert habe. Der Lesung nach zu urteilen, waren zwei gute Autoren beim Italiener auf die Buehne geladen. Leider hab ich ihre Namen vergessen.

 Den fuenften Tag hab ich mir geschenkt. Als die Literaturtage vorbei waren hatte ich 38,7

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