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Ich muss gestehen, dass ich mich auf anruechige Weise an der Voelkerverstaendigung beteilige. Nicht, dass es mir am Herzen liegt mein Heimatland in positives Licht zu stellen, doch gibt es zu Anlaessen wie dem deutsch-israelischen Netzwerkforum stets jene Art von Unterhaltung, der ich seit meiner Sozialpaedagogenzeit immer wieder bedarf. Dieses maechtig aufgedonnerte Blabla, die Beschwoerung von Synergieeffekten, Darlegung von Schnittstellen. Natuerlich um einiges praechtiger insziniert als die AGs und Netzwerkbemuehungen in der Jugendarbeit, doch im Prinzip sehr aehnlich. Das deutsch-israelische Netzwerkforum wurde veranstaltet von der deutsch-israelischen Gesellschaft, einem zweifellos moralisch integeren Verein, der aufrichtig Pro-Israelisch ist, und fand im Goethe Institut statt. Ich war dabei, um mich von jener gewaltigen Anstrengung zu ueberzeugen, den verschiedenen Aktivitaeten im Bereich des deutsch-israelischen Austausches ein gemeinsames Forum zu geben. Zum Auftakt hat seine Exzellenz der Botschafter gegruesst und dann haben viele Menschen von Rang und Namen auf dem Podium diskutiert. Danach folgetn Workshops und der, den ich besucht habe, fand im “Raum Frankfurt” statt. Der Direktor vom Young Israeli Forum for Cooperation war Moderator und hat mit ausufernden Erklaerungen und Kreisdiagrammen das Bemuehen seiner Organistion um Frieden in Nahost und die Verbesserung israelisch-europaeischer Beziehungen dargelegt. Teilnehmergemischte interkulturelle Projekte, das Crack der NGO-Branche, wurden vorgestellt und ambitionierte Plaene ausgebreitet. Auf der Schiene der israelisch-europaeischen Kooperation soll eine Art Dachorganisation von NGOs gegruendet werden um die Zivilgesellschaften beider Seiten in Austausch zu bringen. Ich bitte um Nachsicht, wenn ich die Plaene der Verstaendigungsjunkies nur so gut widergeben kann, wie ich sie selbst verstanden habe. Kurzum plant die Organisation Voelkerverstaendigung 2.0 in grossen Stil. Nun stellt sich der geplanten Kooperationsplattform aber ein Problem. Mehrere europaeische NGOs weigern sich einer Dachorganisation israelischer und europaeischer NGOs beizutreten, wenn der Nahostkonflikt darin nicht gebuehrend zur Sprache kommt. Problematisch fuer das Vorhaben, da viele Israelis den Nahostkonflikt nicht mit Europaeern diskutieren moechten. In einer vorangegenagenen Diskussionsveranstaltung hat ein Repraesentant des Begin Sadat Centerfuer strategische Studien formuliert, dass der Konflikt nur Israelis und Palaestinenser angeht. Eine solche Einstellung ist natuerlich unvereinbar mit dem Draengen der Europaeer, den Nahostkonflikt mit ihnen zu diskutieren. Was tun? Die Frage, die dem Direktor des Kooperationsforums einige Kopfschmerzen zu bereiten scheint, wurde zum Thema des workshops. Um es gleich vorwegzunehmen war das Fazit der Diskussion eineinhalb Stunden spaeter, dass man sich zunaechst seiner eigenen Einstellung kritisch bewusst werden muss und dann erst in Dialog kommen kann und dieser aber – wunder wer – ganz furchtbar wichtig ist. Trotzdem fanden sich in dem Geschwaetz, dass dazwischen lag, einiges dialektisch unterhaltsames. Die anwesenden Europaeer,waren Deutsche, die Israel gegenueber sympathisch eingestellt sind und versucht haben aus dieser Einstellung heraus zu ergruenden, warum es ihren Landsleuten ein solch brennendes Beduerfnis ist, Israel in erster Linie mit dem Nahostkonflikt zu assoziieren. Europaeer – und hier wurde stets am Beispiel von Deutschen explifiziert – muessen sich zwangslaeufig ein falsches Bild von Israel machen, da sie in den Nachrichten und Zeitungen stets nur im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt ueber Israel erfahren. Womit die Vorbehalte der Europaeer mit Israelis zu kooperieren, ohne den Nahostkonflikt zu diskutieren, erklaert wurden.
Ich habe mich selbst schon gefragt, warum es Europaeern ein so starkes Beduerfnis ist, in Hinblick auf den Nahostkonflikt, Israel zu massregeln und abzustrafen. Es waere blauaeugig anzunehmen, dass es den Europaeern mit ihrer Obsession den Nahostkonflikt mit Israelis zu diskutieren um etwas anderes als Tadel ginge. Selbst dem workshop war das klar, wenn es auch nicht ausgesprochen wurde im “Raum Frankfurt”.

Vielmehr wurde eroertert, dass der Nahostkonflikt einer Verstaendigung von Europaeern und Israelis so lange im Wege steht, wie Europaeer ein falsches Bild von Israel in den Medien vermittelt bekommen. Mehrere Deutsche haben dargelegt, wie ueberascht sie waren, Israel anders anzutreffen, als sie es vermutet haben. Viele Israelis haben beklagt, dass sie in deutschland oft fuer Israels Rolle im Nahostkonflikt an den Pranger gestellt wurden.

Ist es aber tatsaechlich das mediale Zerrbild von Israel, dass es den Europaeern unmoeglich macht, abseits des Nahostkonflikts mit Israel eine Zivilgesellschaft zu assoziieren, die sich mit Problemen wie Umwelt, Altersvorsorge, Verkehr, Bildung usw. beschaeftigt.

Dass es auch in Israel eine gruene Bewegung gibt, Sozialisten, Veganer und was sonst zur modernen Welt gehoert, scheint ganz offensichtlich viele Europaeer nicht davon abzubringen im Kontakt mit Israelis stets ohne Umschweife auf den Nahostkonflikt zu kommen.

Es wurde festgehalten, dass in der Medienlandschaft Verwertungszwaenge herrschen, die immer wieder auf ein Neues eine Berichterstattung zeitigen, die nach dem Geschmack der Leser und anderer Nachrichtenkonsumenten ist. Das haben selbst die anwesenden Jusos zu meinem Erstaunen schon erkannt. Woraus zu ergruenden war, was den Leser interessiert. Der Leser wuenscht Konflikt und Knall auf Peng, wodurch die klare Sicht auf Israel versperrt wird und nur dort Einblicke gewaehrt werden, wo scharf geschossen wird. Das waere eine brauchbare Erklaerung. Ich teile sie aber nicht.

Herr Jessen von der Welt hat den Hinweis eingebracht, dass der Nahostkonflikt die hoechsten Wegzapraten im deustchen TV hat. Das war sehr interessant, da ich beim Lesen der grossen Tageszeitungen im Internet feststelle, dass jeder Bericht zu Nahost in die Charts der meistkommentierten Artikel katapultiert wird. Die emotionale Anteilnahme breiter Schichten deutscher Nachrichtenkonsumenten an den Geschehnissen hier, bedingt ganz augenscheinlich eine ueberproportionale Nahost Berichterstattung, die jenen Teil der Nachrichtenkonsumenten, die keine Nahost-Obsession hegen, zum Wegzappen zu draengen scheint.

Ich habe auf den ausgepraegten sekundaeren Antisemitismus in Europa und v.a. in Deutschland verwiesen, da meiner Meinung nach nicht die schlicht sensationelle Lust am blutigen Konflikt dasProfil der Nahostberichterstattung schaerft. Ich denke nicht, dass die Berichterstattung das Israel-Bild praegt, sondern das Gegenteil der Fall ist. Das antiisraelische Ressentiment ist auf staendiger Suche nach Indizien fuer sein verzertes Nahost-Bild bzw. Weltbild. Der Journalist kann sein Produkt nur dann gewinntraechtig platzieren, wenn er eine Rezeption zulaesst, die das antiisraelische Ressentiment der Konsumenten kitzelt.

Ich moechte ein Beispiel geben. Von Gestern, dem deutschdeutschen Gedenktag zu 20 Jahre Mauerfall. In der Zeit erschien unter allerlei Ehrerbietung an den Durchbruch 1989 ein Artikel mit dem unpoetischen Titel Palästinenser reißen Segment der Mauer nieder. Obwohl es bei Weitem nicht das erste und sicher nicht das letzte Mal war, dass Aktivisten Hand an die Sperranlage gelegt haben, war es sicher kein Zufall, dass die Aktivitaet es gerade an solch historischem Tag fast ganz nach oben auf zeit.de gebracht hat. Obwohl angenommen werden muss, dass die Zeit Redakteure nuechtern genug sind, zwischen dem einen Mauerfall und dem anderen keinen Zusammenhang, ausser dem rein physischen Entstehen einer Luecke, zu sehen. Wie sie auch gebildet genug sein werden, zwischen der einen und der anderen Mauer kein gemeinsames Fundament auszumachen. Doch scheint die Verlockung in den Redaktionsstuben zu stark gewesen zu sein, diese liderliche Assoziation zwischen den Mauern anzubieten, bzw. der Anschauung weiter Teile der Leserschaft Zucker zu geben. Und die Kundschaft hat angebissen. Heute ist der kurze Artikel bereits der meist kommentierte. Es war nicht anders zu erwarten. Zaehlen sie einmal das Wort Apartheid in den Kommentaren zu vorangegangenen Berichten ueber Israel.

Zurueck zu den NGOs und dem Sekundaerern Antisemitismus. Ich habe versucht zu erlaeutern, dass dieser in manche NGO-Charta, u.a. in die der Globaisierungskritiker, eingearbeitet ist. Natuerlich fehlen mir da die Worte eines Grigat, und so wurde der Aspekt nicht fuer wuerdig empfunden diskutiert zu werden, und eigentlich ist es auch nicht angebracht ueber den bloedsinnigen workshop hier so viele Worte zu verlieren. Doch haben mich nach dem workshop gleich zwei Israelis aufgesucht, um mich zu fragen, ob denn wirklich eine Mehrzahl von deutschen Anti-Israelische Ressentiments antisemitischer Faerbung pflegt. Urteilen sie selbt, angesichts von Umfragen, die besagen, dass die Haelfte der Deutschen der Meinung ist, die Israelis wuerden mit den Palaestinensern umspringen, wie die Nazis mit den Juden.

Am Abend des Netzwerkforums haben dann die Dienststellenleiter der verschiedenen deutschen Parteistiftungen auf Englisch ueber das Ergebnis der Bundestagswahl diskutiert. Bei den Fragen aus dem Publikum hat ein Israeli mir aus der seele gesprochen, als er gefragt hat “why the hell should Israel care for what Germany thinks?” als die Haltung eines CDU/FDP regierten Deutschland zum Nahostkonflikt ergruendet wurde. Der Direktor der Friedrich Naumann Stiftung in Tel Aviv, Parteifreund von Westerwelle war der Ansicht, dass Israel sich zu viel erlaubt.

Einige Tage nach dem Netzwerkforum hat es mich noch einmal in den “Raum Frankfurt” verschlagen. Zu einer Buchvorstellung. Igal Avidan zeichnet ein authentisches Bild von inem Staat, der sich selbst sucht. Ein Haufen linke Aktivisten kommen zu Wort und Ehren, eine Reihe pseudosignifikanter Konflikte im Kleinen werden aufgefuehrt. Dabei gibt es viele Menschen, die zu befragen es sich mehr lohnen wuerde, wenn das ernsthafte Interesse geboten waere, die israelische Seele zu erkunden. Viele Menschen muessten es auf jeden Fall sein, da Israel so viele Gesichter hat, dass wir, die wir aus einer Gesellschaft mit strenger Leitkultur kommen, uns nur wundern koennen ueber den Schmelztigel der Kulturen hier. Ein Eindruck, der auch auf meine Gaeste stets den staerksten Eindruck macht.
Ein israelischer Journalist hat zu recht angemerkt, dass Avidan seine Gespraechspartner zu subjektiv ausgewaehlt, als dass er objektive Geltung erlangen koennte mit seinem Israel-Bild.

Dabei wuerde es sich auf jeden Fall die Muehe lohnen, sich mit den Menschen hier zu unterhalten, um etwas ueber die israelische Seele zu erfahren. Wenn nur der Versuchung widerstanden wird, stets nur aufgeblasene Schwaetzer der verblassenden Linken um ihre Meinung zu bitten, um ein authentisches Bild zu zeichnen.

Ich schlage zwei BewohnerInnen aus einem Moshav im Norden vor. Zwei Menschen, die der Masenvernichtung der Juden durch die Deutschen entkommen sind. Ueberlebende des Konzentrationslagers Ausschwitz, die nach ihrer Befreiung durch Europa geirrt sind, um schlieslich in einem yugoslawischen Hafen ein ueberladenes Schiff zu besteigen um in Eretz Zion neu anzufangen. Ein Schritt ohne Alternative. Vor der Kueste des ersehnten Landes wurden sie abgefangen und auf Zypern interniert, bevor sie nach einjaehrigem Aufenthalt dort es doch geschafft haben, ueberzuschiffen. Durch verschiedene Auffanglager geschleusst wurden, mehrfach ,von den Englaendern entwaffnet den Angriffen arabischer Milizen ausgesetzt. Schliesslich in einem Kibbutz im Zentrum gelandet sind, wo sie die Ausrufung des juedischen Staates durch Ben Gurion am Radio im Versammlungsraum des Kibbutz mit Freudentraenen aufgenommen haben. Ein Staat, von Juden regiert. Auf die Freude folgte die Ernuechterung. Am naechsten tag sahen sie sich bereits in einem Krieg, der ueber den eben gegruendeten Staat in form mehrerer arabischer Armeen hereinbrach, denen es um nicht weniger als die Vernichtung der Heimstaette der Juden ging. Nach acht Jahren im Kibbutz sind sie in einem Moshav im Norden ansaessig geworden. Viele Kriege, die dem juedischen Staat aufgezwungen wurden, folgten, doch leben ihre Enkel heute in einem freien Staat. Eine Freiheit, die noch immer der Verteidigung bedarf. Meine Freunde in jenem Moshav, Maccabi Haifa Fans in meinem Alter, haben selbst schon einige Kriege miterlebt. Das Prinzip der eliminatorischen Gesinnung ist den Feinden des juedischen Staates seit dessen Gruendung nicht abhanden gekommen. Der Dienst in der Armee ist Pflicht und Ueberzeugung. Auch und gerade unter den Kibbutzniks und Moshavniks, die schon immer links waren und dem palaestinensischen Staat das Wort geredet haben, bis die Losung “Land fuer Frieden” im Kassamhagel besiegelt wurde. Ich war zu einem feierlichen Abendessen im Moshav eingeladen. Ein Enkel der Holocaustueberlebenden hat seinen Armeedienst abgeleistet und ist nun in der Reserve. Sein Vater hat eine amerikanische Juedin aus Brooklyn geheiratet und seine Tante ist inzwischen geschieden, Kuenstlerin und Lebefrau. Seine Cousins und Cousinen haben ihren Armeedienst schon abgeleistet, einer hatte sich weitere Jahre als Offizier verpflichtet. Sie bilden sich derzeit in der Ingineurskunst, chinesischer Medizin bzw. Design. Hinter der augenscheinlichen Normalitaet eines unspektakulaeren Abends liegen die besonderen Umstaende des Lebens in Israel. Wie die ueberwaeltigende Mehrheit der Israelis haben sie den Waffengang gegen die Hisbollah und Hamas unterstuetzt. Der Offizier war in den Libanon abkommandiert. Bei Tisch wurde ueber Kuchenrezepte, Computerprobleme, das Wetter, ein Theaterstueck und Urlaubsplaene konversiert. Allerweltsthemen. Es ist schwer zu vermitteln, dass die Israelis es einerseits bedauern mit den Nachbarn im Unfrieden zu leben und aber zu keiner Zeit bereit sind die Verteidigung ihrer Existenz gegen die Moerderbanden und Gottesstaaten in der Region aus der Hand zu geben. Die Notwendigkeit vom Staat und seiner Armee geschuetzt zu werden, aktualisiert sich fast taeglich. Andererseits sind die Menschen nicht bereit, dem Dauerkonflikt mehr Platz in ihrem Leben einzuraeumen als er notwendiger Weise beansprucht. Wer ein authentisches Bild der israelischen Gesellschaft zeichnen moechte, sollte das beruecksichtigen. Es ist ein famoses und zugleich ungewuerdigtes Phaenomen, dass die Israelis, Auge in Auge mit eliminatorisch gesinnten Antisemiten, eine solch vitale Demokratie pflegen.

Im Moshav steigt ueberigens einmal die Woche auf ein Fussballspiel, bei dem sich eine Auswahl des Genossenschaftsdorfs einem Team aus Beduinen der umliegenden Beduinendoerfer entgegensieht.

Quartalsbericht pt.4

Doch weiss ich, dass die werte Leserschaft aus Israel Anmerkungen zu Politik erwartet und nicht zum Sport. Anfang Oktober war das Land knapp drei Minuten gefesselt. Hamas hat im Tausch fuer die Freilassung einiger Gefangener ein Video uebergeben, in dem sich der seit knapp vier Jahren entfuehrte Israeli Gilad Shalit zu Wort meldet. Die Ausstrahlung hat Israels Strassen leergefegt. Gebannt haben Millionen die Aufzeichnung verfolgt, um sich einen Eindruck vom Zustaend des jungen Soldaten zu machen, der den Terroristen von Hamas in die Haende gefallen ist.  Das Schicksal von Gilad Shalit bewegt die Menschen in diesem Land auf empfindliche Weise, da alle Familien hier, mit Ausname der Ultraorthodoxen und vieler Araber, ihre Soehne und Toechter fuer drei bzw. zwei Jahre zur Armee schicken. Plus Reservedienst. In den Haenden der Verteidigungsstreitkraefte liegt die Existenz des juedischen Staates.

 
Iran propagiert eine Welt ohne Zionismus und bastelt in diesem Sinne nicht nur fleissig an der Atombombe, sondern haelt auch seine Filialleiter an den Grenzen Israels - Hamas und Hizbollah - an, aufruesten um die Zerstoerung des juedischen Staates nach Kraeften zu befoerdern. Eine schiffsladungsgewaltige Waffenlieferung hat juengst Zeugnis abgeliefert.

 
Indes der jihaddistische Geist durch die palaestinensischen Gebiete tobt und die UNRWA sich um einen Nachschub an Fluechtlingen kuemmert, deren scheinheilig geforderte Rueckkehr den juedischen Staat demographisch sprengen wuerde. UNNur bei den Palaestinensern wird der Status Fluechtling vererbt, wodurch die Anzahl der Fluechtlinge ueber die Gerationen staendig waechst. Ich sehe oft die dicken UN Autos in Jerusalem rumfahren, letztens sogar im beschaulichen Holon, und mache mir so meine Gedanken ueber die Moral einer Organisation, die an der Konservierung des Leids der Palaestinenser mitwirkt, indem sie immer nur foerdert, aber nie fordert. Es ist die ganz grosse Sozialhilfe, die bedingungslos gewaehrt wird, und einen ihrer Agenten habe ich hier in Yafo getroffen. Und er hat mir unumwunden zugestanden, dass die Hilfsorganisationen, einschliesslich seiner eigenen, sich in den Gebieten auf den Fuessen stehen. Ich war nach dem Treffen erst recht in meinen Beobachtungen bestaerkt, dass ein Frieden im Nahen Osten niemandem so sehr schaden wuerde wie jener gewaltigen Branche aus Entwicklungshilfeorganisationen, Fluechtlingshelfern, Krisenbeobachtern, Stiftungen, die sich um diesen Frieden vorgeblich bemuehen. Problematisch problematisch fand er es nicht, dass seine und andere Organisationen den Palaestinensern alle Aufgaben aus den Haenden nehmenen, die in einem stets geforderten souveraenen Staat Sache der Palaestinenser selbst sein muessten. Ich war an eine Begegnung mit einem Mitarbeiter der UNRWA, die sich um die palaestinensischen Fluechtlinge kuemmert, waehrend alle anderen Fluechtlinge dieser Welt das Bier der weit schlechter ausgeruesteten  UNHCR sind, erinnert. Der Kerl hat mir 2004 in Jerusalem von seiner Arbeit in Jenin erzaehlt, dabei uebrigens den Mythos des Massakers von Jenin aufgewaermt, als ob die UN damals noch nicht gewusst haette, dass diese perfide Propaganda schon widerlegt war. Schliesslich hat er noch einige offen antisemitische Ansichten seiner Kundschaft dargelegt. Wir haben einen Tagesausflug nach Hebron unternommen, von dem er sich wohl paedagogisch in Hinsicht auf meine ProIsraelische Meinung einiges versprochen hat. Es ist bei solchen Dienern der Voelkergemeinschaft nicht selten, dass sie fest der Meinung sind, dass ein Blick auf das palaestinensische Leiden jede Solidaritaet mit Israel zerschlaegt. Dieser wenig ideologiekritische Ansatz fuehrte mir den Mann bei der UN also als Reisebegleiter nach Hebron an die Seite. Und seine eigene Empathie war tatsaechlich so grenzenlos, dass er nur lustlos mit den Schultern gezuckt hat, als mich ein Palaestinenser auf dem Markt gefragt hat, warum wir unseren Job nicht zu Ende gebracht haben, nachdem ich mich als Deutscher geoutet habe.  

Waehrend meine juedischen Mitarbeiterinnen im Krankenhaus die Aversionen der arabischen Welt und der UN gegen Israel als unveraenderbar ansehen, erregt die europaeische Haltung, Palaestinenser stets zu bemuttern und Israelis stets onkelhaft von der Seite anzumachen, Unverstaendnis. Ungezaehlte Massregelungen und Anti-Israelische Demonstrationen aus dem befreundeten Ausland, die jeden Schritt Israels begleiten. Bekannt aus dem Fernsehen und aus Erzaehlungen von Europa-Reisenden oder aus der Berichterstattung in Europa ansaessiger Sippe. Gerade wenn die Nerven ohnehin gespannt sind, wie bei der Militaeraktion letzten Jahres im Gaza, verursachen die demonstrativ geaeusserten Beifallsbekundungen der Europaeer fuer die Feinde des juedischen Staates bei dessen Bewohnern einen sauren Geschmack. Und es ist meinen Kollegen egal, dass die a ntiisraelische Kritik meist als Kritik an Freunden legitimiert wird, ja notwendiger Kritik sogar, die Freundschaft erst wirklich besiegelt. Ich selbst weiss, dass es ein bauernschlauer Griff in die Trickkiste ist, um an der Heimatfront antizionistisch zu punkten ohne auf den Duenkel des Freund der Juden verzichten zu muessen. Ich kann als Deutscher bei solchen Gelegenheiten nicht genuegend darauf hinweisen, dass mein Nachkriegsdeutschland moralisch bankrott ist. Adornos  ”Nie wieder” ist zur Farce geworden.
Ich moechte aus dem viel kritisierten Land Israel verlautbaren lassen, dass es hier eine Unzahl von Instanzen zur Wahrung der Moral gibt und diese nicht nur Stimme, sondern auch Zuhoerer haben. Es also keinen grund gibt, von aussen staendig zu intervenieren. Waere ich Israeli, wuerde mir diese freundschaftliche Dauerkritik auch auf den Sack gehen. Israelis brauchen gute Nerven in einer Welt, die ihnen viel Antipathie und nur ganz wenig Solidaritaet fuer ihren kleinen Staat entgegen bringt. Doch dafuer wirken sie herausfordernd gelassen im Alltag. Beschaeftigt mit all den Angelegenheiten, die den modernen MEnschen umtreiben. Eine Bekannte von mir, taetig fuer ein Ministerium, meinte, dass ihr Volk noch nie gemocht wurde und aber die Araber und ihre Sympathisanten nicht erreichen werden, was schon die Inquisition und die Deutschen nicht geschafft haben und der Welt die ungeliebten Juden fuer immer erhalten bleiben werden.  

Es gibt in der Flut der Nachrichten aus den letzten Wochen zwei Ereignisse, die wirklich fuer Aufsehen gesorgt haben. Zumindest im Krankenhaus.
Passiert ist Vieles, von der erneuten iranischen Weigerung von der Urananreicherung abzusehen ueber eine Resulotion in der UN-Menschenrechtskommision, die auf ein Neues den juedischen Staat diskreditiert und daemonisiert, bis zum Saebelrasseln der Hizbollah und erneutem Raketenbeschuss aus Gaza. Interessiert haben aber v.a. zwei Geschichten. Zum einen eben Shalit. Zum anderen die Tuerkei.
Nachdem Erdogan im Fruehjahr in Davos gegen Israel ausfaellig geworden ist, wurde gefragt, inwieweit dies Einfluss auf das liebste Hobby der israelischen Mittelschicht nimmt. Cluburlaub in Antalya. Die Diskussion wurde von neuen Angeboten zu Gunsten der tuerkischen Riviera entschieden und ich weiss nicht, wie oft ich mir anhoeren durfte, wie viel und gutes Essen die Tuerken doch auffahren. Dann haben sich letzten Monat die politischen Ereignisse derart ueberschlagen, dass Abstinenz nun Unumgaenglich scheint. Auch wenn es natuerlich auch weiterhin so viel billiger ist als Urlaub in Eilat.  Die Tuerkei hat die israelische Luftwaffe von einer geplanten gemeinsamen Uebung von NATO und IAF ausgeladen dann gemeinsame Militaeruebungen mit Syrien bekannt gegeben, den iranischen Praesidenten mit allen Ehren empfangen und im tuerkischen Fernsehen laeuft eine krass antisemitische Serie aus, in der israelische Soldaten Kinder exekutieren. 
Ich habe mit Begeisterung vernommen, dass nun Kroatien auf die Rolle der Tuerkei als Mediator israelisch-syrischer Gespraeche schielt.  

NRW paceIn Yafo gibt es eine Wand der Bruederlichkeit, auf der junge arabische Fuehrungskraefte im Rahmen eines Kustworkshops unter der Schirmherrschaft der Landesregierung NRW dilletiert haben. Einige Meter weiter sitzen Juden und Araber im beliebtesten Fischrestaurant Yafos sitzen, ohne dass dafuer Stiftungsgelder fuer die Bruederlichkeit fliessen. Wer den notorisch ausgegrenzten Arabern mit Kunst eine Stimme geben moechte, als Vergleich fallen mit Kunstprojekte mit Obdachlosen ein, muss seine Agenda auch dann pflegen, wenn sie der Realitaet einen Baerendienst erweist. Von der produzierten Kunst ganz zu schweigen, die unter sozialpaedagogischer Kandare blass bleibt. 
Mir faellt auf, dass es in Yafo, oder auch in Haifa, wo die ideologische Verdichtung fehlt, ein mehr oder weniger friedliches Nebeneinder gibt. Wozu also die Mahnung zur Bruederlichkeit, Nordrhein-Westfalen? Und ich habe nur ein Beispiel unter Tausenden zitiert, die queer ueber das Land initiiert sind. Es gibt hier Kunst zum Zweck der Verstaendigung in Huelle und Fuelle. 

 

Wobei ich darauf hinweisen muss, dass es im Wadi Nisnas in Haifa Kunst im oeffentlichen Raum zu jaehrlich wechselnden Themen gibt und das sehr ansehnlich ist. Warscheinlich, weil hier die Kunst im Vordergrund steht, auch wenn die KuenstlerInnen Araber und Juden sind.

Quartalsbericht pt.3

Ramadan habe ich unbeschadet ueberstanden, obwohl meine ohnehin nicht ausgepraegten Sympathien fuer unsere arabischen Nachbarn muslimischen Glaubens doch sehr auf die Probe gestellt wurden. Einen Monat lang wurde die Strasse am spaeten Abend mit Silvesterknallern belegt. Ich hab mich daran erinnert, als dann zum juedischen Laubhuettenfest in Jerusalem Krawall aufgefuehrt wurde, da sich die Muslime zum Anlass juedischer Feierlichkeiten vorgeblich mal wieder in ihren eigenen religioesen Gefuehlen verletzt sahen. Als sich eine Woche lang tausende Juden an der Klagemauer eingefunden haben, wurde der Zugang zum Tempelberg eingeschraenkt. In der Al-Aksa Moschee wurden taschenweise Steine gefunden, ueber die nur schwer hinwegzusehen ist, wenn Tempelberg und Klagemauer nur einen Steinwurf voneinander entfernt sind. Wer schon einmal in Jerusalem war, weiss um die Brisanz der Naehe.  Auf jeden Fall war es auf Seiten der Funktionaere muslimischen Glaubens, den Vertretern der selbsternannten Religion des Friedens, mal wieder Anlass zum Zorn zu mobilisieren, wie dies in letzter Zeit oefters und zu verschiedenen Anlaessen geschieht. Wenn Juden nach Ost-Jerusalem ziehen oder eben juedische Feiertage anstehen.
Ich habe mich waehrend der Festwoche, in der glaeubige Juden ihr Leben in Huetten verlagern, nicht nur an die Kalgemauer, sondern auch in die ultraorthodoxen Viertel Jerusalems begeben, um mir anzuschauen, wie tatsaechlich auf jedem Balkon, in jedem Hof und auf verschiedenen Parkplaetzen Huetten gezimmert waren. Mein Fall ist soviel religioese Hingabe nicht, doch konnte ich unerhoerter Weise nicht Ablassen und bin noch ueber Mea Shearim hinaus durch die vielen anderen Viertel geschweift, die in oltraorthodoxer Hand sind.

Jerusalem Sukkot

Mea Shearim Sukkot
 Jrusalem Sukkot
Eine meiner wenigen weiteren Unternehmungen ausserhalb von Tel Aviv war ein Ausflug, der mich die Festtage nach Ein Gedi verschlagen hat, wo ich das Hochplateau bezwungen habe. Mich mit meinen 30 Jahren bei weit ueber 30 Grad im Schatten, theoretisch, da der nirgends vorhanden war, bis in jene Hoehen begeben, von wo sich ein berauschender Ausblick uber die Wueste, das Tote Meer bis nach Jordanien ergibt.  Nach Abstieg war es mir dann sogar vergoennt unter einem Wasserfall im Wadi des Nationalparks zu baden und die Bekanntschaft einiger Steinbocke zu machen.

Ein Gedi 1

Ein Gedi II

ein gedi III

 Ein Gedi IV

Ein Gedi V
Andere Ausfluege haben sich auf Jerusalem und Haifa beschraenkt und das Moshav Allone Aba im Norden. Wobei ich meine Reihe ueber die konflikttraechtigen Orte in Israel bald fortsetzen moechte. Derweil feile ich aber an meinen Jerusalem und Haifa Fuehrungen. Jerusalem ist schon sehr ausgereift, wie ich bemerkt habe, als ich die Stuttgarter Punker, die mich diesen Sommer besucht haben, durch die heilige Stadt gefuehrt habe. Hier ist lediglich am Finish noch etwas zu verbessern. Ich geleite nach Fruehstueck im bezaubernden Buechercafe Tmol Shelshom zu der Windmuehle und dem anliegenden Park, dann rein in die Altstadt, durch christliches, muslimisches, juedisches Viertel, dann hinaus auf den Zionsberg und rueber in die deutsche Kolonie. Danach dann Feierabendbier im Ben Sira 3.

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Auch Haifa Fuehrungen werden bald der absolute Knaller sein. Jetzt wo ich das christlich arabische Viertel Wadi Nisnas neu entdeckt habe und der Hafen etwas herausgeputzt wurde, bietet auch die Unterstadt in Anschluss an die deutsche Kolonie, und Knaffe im Fattoush, vor Aufstieg auf den Carmel einige Reize. Hoehepunkt oben bleiben der Blick runter und das Feierabendbier im Barbarossa.

Haifa
 
In fussballerischen Angelegenheiten geht mir die Bundesliga inzwischen nur noch auf die Nerven. Dass hat seine tieferen ursachen weniger in meinen Vorbehalten gegen Deutschland, als es vielmehr mit einem einst zum Zeitvertreib angefangenen kicker-Manager”Spiel” zusammenhaengt, dass mich psychisch zu ruinieren droht. Vielmehr noch als die Fussballwetten. Da ich unweit des Bloomfield-Stadion wohne, interesiere ich mich ablenkungsweise fuer die israelische Liga. Ich hab nur noch nicht klar entschieden, fuer wen ich sein soll. Kulturell bietet sich der linke Arbeiterverein Hapoel Tel Aviv an. Dem ist seine rote Seele tatsaechlich nicht abzusprechen. In den Fankreisen gelten die aus der linken Szene sattsam bekannten Anti-Dies und Anti-Das sehr viel. Die Fanfreundschaft mit St. Pauli wird gepflegt. Ich habe schon St. Paulianer getroffen, die zu einem spiel Hapoel gegen Beitar eingeflogen sind. Auf Auswaertsspielen in der Europaliga ist ein grosses ACAB Transparent im Gaesteblock der Hapoel Anhaenger zu sehen. Ich mag das Team tatsaechlich auch sehr, wobei mich auch der relative Erfolg der Roten auf europaeischer Ebene in den letzten Jahren anmacht. Aber ist da eben auch noch Bnei Yehuda Tel Aviv, der Vertreter von Yad Eliyahu und natuerlich Maccabi Haifa. Ich habe viele Freunde im Norden, die fuer Maccabi Haifa gluehen und bin ein Stueck weit auch davon angesteckt. In der Basketball Euroleague bin ich fuer Maccabi Tel Aviv. 
 
Bloomfield

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